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Digitale Familie - (Frei)Räume schaffen

Digitale Familie? Braucht es das?

 

 

Am 08.03.18 fand das zweite Webinar zur Digitalen Familie statt. Gemeinsam mit der Autorin Nicola Schmidt von artgerecht wollten wir zu der Frage in den Austausch kommen, welchen Raum – aber auch welchen Freiraum – digitale Medien in der Familie haben können.

 

Besonders haben wir uns gefreut, dass bei dem Webinar zur Digitalen Familie die Netzpiloten quasi das erste Webinar-Public Viewing abgehalten haben. Toller Einsatz!

 

Aus meiner Sicht: Ja, ja und nochmal ja! Digitale Medien sind da. Jetzt in dieser Sekunde. Sie gehören ganz selbstverständlich zur Lebensrealität von uns allen. Alle Teilnehmer dieser Digitalen Familie haben Rechte und Wünsche. Dieses Verständnis braucht es aus meiner Sicht, um sich auf eine gemeinsame Digitale Guideline zu verständigen.

 

"Alle Teilnehmer der Digitalen Familie haben Rechte - auch die Kinder!"

In den vielen Eltern-Workshops, die ich für das Projekt DigiKids machen durfte, war bei eigentlichen allen Erwachsenen der Wunsch nach einem harmonischen Miteinander, was digitalen Medienkonsum angeht, vorhanden. Auch wenn das unbequem klingen mag, aber dieser Wunsch impliziert auch, mein eigenes Verhalten zu reflektieren und möglicherweise anzupassen. All zu oft höre ich – meist auf Nachfrage – von Eltern den Satz “Also, ich muss das Smartphone in der Situation XY nutzen. Das ist was anderes. Das ist wichtig.” Kinder haben ganz sensible Antennen, wenn es darum geht, sich etwas von ihren Modellen abzuschauen. Das macht es mitunter nicht ganz leicht, die Digitale Familie aktiv zu gestalten. Klar muss dann nämlich sein, dass ich mich stets fragen muss “Könnte ich die Regel, die ich meinen Kindern auferlege, auch selber einhalten?”. Jetzt ist es natürlich klar, dass für Erwachsene manchmal andere Regeln gelten, als für Kinder. Ich lade euch dazu ein, dass Ihr versucht für die Digitale Familie alle gleichberechtigt zu sein.

"Die Kinder sind es nicht, die abends beim Essen noch die Mails aus dem Büro checken müssen."

Seid für eure Kinder ein Spiegel der digitalen Aktivitäten. Folgende Spiegel-Fragen helfen euch dabei:

  • Wie nutze ich digitale Medien?
  • Muss ich sie wirklich immer dann und so oft nutzen, wie ich es aktuell tue?
  • Wie würde ich sie gerne nutzen?
  • Wann / Wie nutze ich digitale Medien wirklich qualitativ?
  • Haben die digitalen Medien einen konkreten Mehrwert für mich? Falls ihr hier nicht sofort mit einem “ja” antworten könnt – Wie könnte die Alternative aussehen?

Mit diesen Fragen, erweitert sie gerne, wenn euch noch weitere einfallen, bekommt Ihr ein gutes Spiegelbild von eurem digitalen Konsum. Es ist wichtig diesen zu kennen, nur dann könnt Ihr eine Haltung auch authentisch an eure Kinder weitergeben. Erst dann könnt ihr eure Lebenswelt in Digitalen Räumen und Freiräumen entspannt einteilen.

Wichtig ist für mich bei alle dem: Macht euch locker! Keine*r muss immerzu das perfekte Modell sein. Erstens geht das nicht und zweitens ist die Unfehlbarkeit der Eltern ein demotivierender Lernimpuls für eure Kinder.

Was kann ein Digitaler Raum sein?

Macht eine (geistigen) 360-Grad-Tour durch eure Wohnung oder Haus. Welche Räume werden naturgemäß häufiger genutzt? In welchen Räumen seid ihr / eure Kinder gerne. In welchen seid ihr eher seltener. Wo fühlt ihr auch wohl? Wo wollt ihr auch mal eure Ruhe haben? Nachdem ihr euer Zuhause nun topografiert habt, teilt die Bereiche ein. Wo könnten in den Räumen, in den gemeinsames Familienleben stattfindet (stattfinden soll) Tablets und Smartphones zum Einsatz kommen? Wo seid ihr dann in diesen Situationen? Kleiner Tipp: Sucht euch Kontexte aus, in denen ihr keine “Aufpasser” sein müsst. Ihr solltet im Idealfall eure Kinder in die digitale Welt begleiten. Ihr müsst dafür aber nicht zwangsläufig “nur” daneben sitzen.

ch gebe Euch mal ein Beispiel: Evtl. könnte bei Euch das Wohnzimmer jeden Nachmittag von 16 bis 18 Uhr ein Digitaler Raum sein. Also die Zeit nach der Kita oder der Schule bis zum Abendessen. Ihr habt mehrere Kinder? Soll es ja auch geben. Habt ihr also Kinder, die in ihrem Alter einen große Spanne haben, sind die digitalen Anwendungen möglicherweise andere. Ein Ansatz kann sein, dass Kind A (das Größere) sich für eine Zeitspanne gemeinsam mit Euch mit dem Tablet beschäftigt, z.B. bevor das jüngere Kind B von der Kita abgeholt wird. Das Ganze wird natürlich anspruchsvoller, wenn das eine Kind so groß ist, dass es das Tablet nutzen darf und das andere so klein, dass es das noch nicht soll. Die og. Idee kann bei einer Lösungsfindung helfen.

Sucht Euch also örtlich und zeitlich Slots aus, in denen digitale Medien ganz selbstverständlich gemeinsam genutzt werden. Tut das dann aber auch bewusst. Nicht vergesse, JETZT ist ein Digitaler Raum. Digitale Medien haben nun Platz. Eure Kinder sollen jetzt auch die Freiheit haben, diese nutzen zu dürfen.

Was kann ein Digitaler Freiraum sein?

Nachdem ihr Klarheit darüber habt, wo und wann digitale Medien ganz selbstverständlich verwendet werden, definiert Bereiche und Zeiten, wo dies nicht erwünscht ist. Hier ein paar Beispiele: Die (gemeinsamen) Essen sollten von allen (!) Smartphone- und Tablet-frei gestaltet werden. In Gesprächssituationen – und mögen sie für euch noch so belanglos sein – lasst ihr das Smartphone besser in der Tasche. Beim gemeinsamen Vorlesen und Spielen, hat das Smartphone oder das Tablet auch nichts zu suchen. Beim Zu-Bett-bringen, seid ihr ganz im Hier und Jetzt bei euren Kindern. Das mobile Gerät stört da nur. Diese Impulse müssen von euch nicht 1zu1 übernommen werden. Holt euch da raus, was zu euch passt. Den Rest lasst ihr einfach liegen.

"Zwischen Eltern und Kind passt kein Screen!"

Digitale Freiräume brauchen manchmal, sozusagen, “Grenzposten”, damit sie eingehalten werden. Vielleicht stehen in der Wohnung verteilt Ablagemöglichkeiten für eure Smartphones und Tablets. Legt die Geräte dort rein, dann “stören” sie euch später auch nicht in der Hosentasche. Vielleicht verbindet ihr die Ablageflächen mit regelrechten Aufladestationen, dann habt ihr nochmal einen anderen Anreiz das Gert dort anzudocken.

 

JEDE*R in der Familie ist zudem Aufpasser*in auf alle anderen. Verstöße gegen die definierte Freiraum-Regel, können dann von Euch liebevoll sanktioniert werden. Aber: Seid nicht zu streng mit euch.

Seid ihr euch nun klar darüber, wann und wie digitale Medien in der Familie gebraucht werden dürfen, schafft ihr Transparenz. Wörtlich genommen, versteht nun jedes Kind, wann das Spielen am Tablet OK ist und wann nicht. Regeln können ja auch eine entlastende Wirkung haben. Ihr müsst euch nicht jedes Mal, in jeder Gelegenheit fragen, ob und wie das Tablet jetzt rausgeholt werden soll, oder nicht? Das ist das für alle klar. Das ganze Modell hier holt die Kinder ab und macht sie zu möglichst gleichberechtigt. Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun und die tut unseren Kindern für Ihre Entwicklung gut. Eure Kinder (und ihr) lernt so, digitale Medien bewusst zu gebrauchen und Euch in Teilen von ihnen entspannt abgrenzen zu lernen. In der heutigen Zeit ist das aus meiner Sicht eine Schlüsselkompetenz.

(Dieser Artikel des Autors erschien zuerst auf digikids.online).

Benjamin Wockenfuß

Social Media Manager | Suchttherapeut

  

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(+49) 1573 359 1234

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